LTS verabschiedet Modell für Kurtaxe
Der Landesverband der Tourismusorganisationen Südtirols (LTS) hat auf seiner Vorstandssitzung am 1. März ausführlich das Thema Kurtaxe behandelt und ein eigenes Modell für die Einführung einer Kurtaxe in Südtirol vorgestellt und verabschiedet.Mit Erstaunen musste der LTS feststellen, dass in den letzten Wochen alle möglichen und unmöglichen Personen zu diesem Thema Stellung genommen haben, ohne fachliches Hintergrundwissen zu besitzen und ohne dass die direkt betroffenen Tourismusvereine und –verbände zu Wort gekommen sind. „Auch der LTS ist gegen eine neue Steuer, die von uns geforderte Kurtaxe ist deshalb ein geringer Obolus, der vom Gast zu bezahlen ist“, unterstreicht LTS-Präsident Ambros Hofer. „Anstatt unsachliche Kommentare zu verbreiten, hat der LTS die Zeit genutzt, um ein fachlich fundiertes Modell einer langfristig stabilen und gerechten Finanzierung der Südtiroler Tourismusorganisationen auszuarbeiten, das nun im LTS-Vorstand mit großer Mehrheit gutgeheißen wurde“, kommentiert Ambros Hofer die Entwicklungen in Sachen Kurtaxe.
„Da im LTS-Vorstand fast ausschließlich Hoteliers sitzen, ist endlich einmal klar zu stellen, dass den Touristikern im Lande sehr wohl eine Pflichtabgabe mittels Kurtaxe zur Finanzierung der Basisaufgaben der Tourismusvereine am Herzen liegt. In diesem Sinne wurden auch Gespräche mit dem Südt. Gemeindenverband geführt, denen der LTS sehr dankbar für die Unterstützung in dieser wichtigen Angelegenheit ist“, betont LTS-Direktor Hubert Dorfmann.
„Die derzeit freiwillige Finanzierung eines Teils der Aufgaben der Tourismusorganisationen, die allen Beherbergungsbetrieben und deren Gästen zu Gute kommen, wie Imagewerbung, Gästeinformation und –betreuung, Bereitstellung und Instandhaltung touristischer Infrastrukturen, Veranstaltungen aller Art, Mobilitätsangebote, etc. ist definitiv zum Scheitern verurteilt“, so LTS-Präsident Ambros Hofer. „Nur eine verpflichtende, moderate Abgabe von Seiten der Hauptnutznießer kann „Trittbrettfahrer“, die auf Kosten der zahlenden Betriebe den Schmarotzer spielen, eliminieren und die notwendige Gerechtigkeit einführen, die eigentlich insbesondere ein Anliegen jeder Politik sein müsste.“
Die Situation in Südtirols Tourismusvereinen ist bereits so, dass große italienische Hotelketten aber auch renommierte Südtiroler Hotels keinen Euro an den Tourismusverein für die erwähnten Aufgaben zahlen und größere Südtiroler Hotels den Tourismusverein mit selbst festgelegten Mitgliedsbeiträgen „erpressen“ - ein unhaltbarer Zustand.
Mit der Einführung einer moderaten Kurtaxe von 50 Cent bis 1 Euro pro Person und Nächtigung, die von den Gästen aller Südtiroler Beherbergungsbetriebe separat zu zahlen wäre, könnte dieses Problem definitiv beseitigt werden. Im gesamten Alpenraum (Frankreich, Schweiz, Österreich und Deutschland) bis hin zur Nord- und Ostsee ist die Einhebung einer Orts- bzw. Kurtaxe seit Jahren in Anwendung und gleichzeitig in einem viel höheren Ausmaß, als der LTS vorschlagen würde. Deshalb kann von einer befürchteten „Benachteiligung“ der Südtiroler Betriebe keine Rede sein. Der große Vorteil der Kurtaxe für die Beherbergungsbetriebe ist zudem jener, dass die Betriebe gesetzlich die Möglichkeit bekommen, diese von den Gästen zu kassieren und damit das eigene Budget sogar entlasten können.
Die Freiwilligkeit in den Tourismusvereinen wird auch mit der Südtiroler Kurtaxe nicht abgeschafft. „Der LTS legt großen Wert auf die Feststellung, dass die Kurtaxe nur die Basisaufgaben der Tourismusorganisationen finanziert, sämtliche Aktivitäten, die über die essentiellen Aufgaben hinaus gehen, werden auch weiterhin durch freiwillige Dienstleistungsentgelte zu finanzieren sein,“ erklärt LTS-Präsident Hofer.
Auch die öffentliche Unterstützung von Seiten des Landes und der Gemeinden ist lt. LTS weiterhin mehr als notwendig und gerechtfertigt, da der Wirtschaftszweig Tourismus zweifelsohne großen Nutzen für die gesamte Südtiroler Wirtschaft und Bevölkerung stiftet. Deshalb schlägt der LTS eine Abkoppelung der Finanzierung der SMG vom Tourismushaushalt und ein neues Landeskapitel unter Einbezug aller Wirtschaftssektoren vor. Zudem ist eine Erhöhung des Tourismusbudgets im Landeshaushalt der Provinz Bozen überfällig, beträgt doch der Anteil des Tourismushaushalts mit € 36,5 Mio. im Jahr 2011 nur mehr bescheidene 0,7% des Gesamthaushalts. Die Einführung einer Tourismusabgabe mit steuerlicher Belastung der restlichen Wirtschaftssektoren wird hingegen vom LTS als derzeit unrealistisch gesehen.
Der LTS hofft, dass mit seinem fundierten Modell die Diskussion endlich versachlicht werden kann und ist überzeugt, auch die momentanen Gegner und die Landespolitik von den zahlreichen Vorteilen einer Kurtaxe überzeugen zu können. Die Gespräche mit den Partnern werden deshalb in den nächsten Tagen intensiv fortgesetzt.
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